Erste Nachweise für eine Wegverbindung zwischen dem Kreuzstutz und der Emmenbrücke datieren aus dem frühen 14. Jahrhundert. Bereits 1305 wurde die Felswand bei der sogenannten Krummflue für den Fahrweg abgetragen. Die Strecke konnte seither mit Wagen oder Karren befahren werden. Vorher führte der Weg, der nur zu Fuss oder mit Saumpferden begangen werden konnte, über die Höhe des Gütschs Richtung Littau. Später wurde der Streckenabschnitt Teil der alten Hoch- oder Baselstrasse, einem wichtigen überregionalen Verkehrsweg der Nord-Süd-Verbindung. Im 18. Jahrhundert wurde die alte Hochstrasse Teil der neuen, nun chaussierten Baselstrasse, die seither mehrfach ausgebaut wurde. Ein letzter Ausbau mit Sanierung erfolgte 2021-2023.
Auf der katholisch geprägten Luzerner Landschaft gehörten sakrale Wegbegleiter wie Wegkapellen, Bildstöcke oder Weg- und Feldkreuze zur Tradition und haben sich oft bis heute erhalten. Viele gehen auf die Zeit der Gegenreformation zurück, als sich eine ausgeprägte Volksfrömmigkeit breitmachte. Sie wurden meist an besonderen Orten errichtet, wie Weggabelungen oder Übergängen und dienten dem Schutz der Reisenden. Sie waren liturgische Orte bei Bittgängen oder Prozessionen und wurden auch als Erinnerung an Unfälle oder besondere Vorkommnisse erstellt.
So erstaunt es nicht, dass beim Wegabschnitt vor der steilen Felswand Krummfluh schon seit früh ein Wegkreuz belegt ist. Auf einer Druckgrafik von 1786 ist ein grosses überdachtes Kruzifix an der Krummflue zu erkennen. Dazu die Legende «Rocher curieux par ses couches, appelé Krum - Flue. Sur le grand chemin, à un quard de Lieue de Lucerne» (Kuriose Steinschichten, genannt Krum-Flue. An der Hauptstrasse, eine Viertelstunde von Luzern entfernt). Wann die heutige Kreuzigungsgruppe an der Felswand angebracht wurde, ist jedoch nicht bekannt. Die Figurengruppe Korpus Christi mit der Muttergottes und dem Heiligen Johannes ist aus Weichholz geschnitzt und farbig gefasst, in den ikonografisch korrekten Farben: rotes Kleid und blauer Mantel für die Muttergottes und grünes Kleid und roter Mantel für den Heiligen Johannes. Der Korpus Christi ist vollständig als Skulptur geschnitten, die beiden begleitenden Figuren als Halbrelief. Im Zug des Strassenausbaus 2021-2023 wurde die Kreuzigungsgruppe konserviert und restauriert und mit einer Ölfarbe neu gefasst. Schliesslich wurde in der neu erstellten Betonstützmauer eine Nische geschaffen, worin die Gruppe mit samt der Verschalung und dem schützenden Pultdach wieder Platz gefunden hat.
Das sogenannte Inventar der historischen Verkehrswege (IVS) erfasst und beschreibt die historischen Verkehrswege der Schweiz. Im Bundesinventar sind diejenigen Wege erfasst, die von nationaler Bedeutung sind und noch sichtbare Wegspuren im Gelände aufweisen. Dazu gehört auch die Strecke LU 1 zwischen Luzern und Sursee. Der Streckenabschnitt bei der Krummfluh ist aber nicht Teil des Bundesinventars, da mit Ausnahme der Kreuzigungsgruppe keine historische Wegsubstanz mehr erhalten ist.
Weitere Informationen zum Inventar der historischen Verkehrswege unter: Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS)
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Fotos: Stöckli AG, Stans